18.11.2019 Welchen Wert hat die GOZ?



Wissen Sie noch wieviel 1988 die Maß Bier auf dem Oktoberfest gekostet hat? 6,70 D-Mark. Oder ein Liter Benzin - Super verbleit? 0,91 D-Mark! Und der GOZ-Punktwert? 11 Pfennige! Seither hat sich einiges entwickelt: Die Maß kostete 2018 11,30 €, der Liter Super bleifrei ca. 1,50-1,60 €.

Nur beim GOZ Punktwert herrscht seit mehr als 31 Jahren Stillstand! Für die, die BUGO-65 noch kennen, sogar schon seit über 50 Jahren. Nicht mal zu einer Rundung ließ sich die Politik hinreißen, angesichts der überflüssigen mathematischen Rechen- und Rundungskunststücken bei einem Punktwert (PW) von 5,62421 Cent.

Vergleich Politik und freiberuflicher Zahnarzt

*Nota bene:

Die Zahl gilt lediglich für den niedergelassenen Zahnarzt, den angestellten ZA gab es 1988 noch nicht. Im Jahr 2017 arbeiteten bundesweit über 17 000 Zahnärzte als Angestellte in den Praxen. Dies führt zu entsprechenden Verschiebungseffekten hin zum niedergelassenen Zahnarzt, der einen oder mehrere Kollegen angestellt hat.

Seit 1988 sind in unseren Praxen die Kosten allenthalben „durch die Decke“ gegangen (z. B. Personalkosten +91%). Neue Verpflichtungen sind in unseren Alltag getreten (QM, Validierungen, neue Hygienerichtlinien, Datenschutzbestimmungen, usw.), die zusätzlich Arbeitszeit und Personal erfordern. Auch die zur Existenzgründung notwendigen Investitionen sind deutlich angestiegen (1988: 435 TDM, 2016: 528 T€ ). Und ganz am Ende können wir uns von jedem verdienten Euro heute auch noch weniger leisten. Am Lebensstandard des selbständigen Zahnarztes nagen von 4 Seiten die Mäuse, nur auf der Honorierungsseite bleibt alles beim Alten. Es stellt sich die Frage, wie lange das noch so weitergehen kann?

Ich will nicht das Lied des BEMA singen, aber er wird zumindest jährlich an die Preisentwicklungen (wenn auch nur unzureichend) angepasst. Aber bei der GOZ sehen wir da nur eine Politik, die ihre Pflicht des „gerechten Ausgleichs der Interessen“ nicht erfüllt und sehenden Auges in die „Einheitsvergütung“ strebt. Schon heute sind weite Teile der GOZ beim Faktor 2,3 niedriger honoriert als der BEMA (z.B. die 01/0010 müsste mit Faktor 3,45 berechnet werden um BEMA-Honorar (AOK Bayern zu bekommen), viele sogar mit 3,5. Bei 20 Leistungen müsste schon jetzt eine freie Vereinbarung jenseits des 3,5-fachen Steigerungsfaktors abgeschlossen werden, um auf das Honorar der gesetzlichen Krankenversicherung für die inhaltsgleiche Leistung zu kommen. Dabei sollte es jedem klar sein: Wer an den nötigen Mitteln spart, kann die geforderte Qualität nicht gewährleisten!

Es sei sogar die ketzerische Frage erlaubt: Wozu brauchen wir überhaupt eine GOZ? Viele andere Länder kennen solche Konstrukte nicht, der EU-Gerichtshof sieht Honorarordnungen ohnehin skeptisch – ich erinnere an das ablehnende Urteil zur HOAI (der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Für mich persönlich wäre eine transparente Abrechnung der benötigten Zeit ergänzt um Materialkosten und Auslagen eher sachgerecht. Eine GOZ wäre überflüssig! Und Staat und Versicherungen könnten sich eine „Erstattungsliste“ geben – dazu wird die GOZ von Beihilfe und PKV ohnehin schon seit Jahren degradiert (siehe die pauschalen Kürzungen der Beihilfestellen im letzten Jahr und die „Auslegungen“ der GOZ einzelner Versicherer). Es wäre für ALLE deutlich transparenter!
So lange es die GOZ aber noch gibt, bleibt uns nur diese auch verordnungskonform anzuwenden – mit allen ihren verbliebenen Reserven und Freiheiten. Das marktwirtschaftliche Prinzip Ruskins, nachdem es unmöglich ist, unter einer ausreichenden Finanzierung eine hinreichende Qualität zu erzeugen, fordert uns daher vor allem im Eigeninteresse unserer Patienten, für diese ausreichende Honorierung zu sorgen. Für uns, für unsere Mitarbeiter/innen, für unsere Praxen, für unsere Patienten!

Der ZBV wird daher mit seinen neuen GOZ-Referenten „Stellung beziehen“! Seien Sie gespannt!
Ihr Dr. Alexander Hartmann
Co-Referent GOZ, ZBV Niederbayern